Weihnachten in Wort und Schrift

(Dieser Text erschien abgedruckt im Drüegg 4/2013. Diese Zeitschrift erscheint viermal im Jahr in der politischen Gemeinde Egg. Hier mehr Infos.

Bei amazon.de, einem online Buchhändler, sind weit über 10 000 Bücher zum Stichwort «Weihnachtsgeschichten» zu finden, darunter auch viele antiquarische. Jedes Jahr erscheinen neue Bücher auf dem Markt. Aber was sind die Merkmale dieser Sorte Bücher. Eine Spurensuche.

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Um dem Wesen der Weihnachtsgeschichtenbücher auf die Spur zu kommen, hilft es, Klappentexte der Verlage oder Vorworte der Herausgeber und Autoren zu lesen. Wie im Buch «Das unicef-Weihnachtsgeschichtenbuch» suggerieren einige Bücher meist in den Untertiteln oder auf dem Umschlag «eine Zeit zu einem Vorlese- und Lesefest» oder «ein Lesegenuss für die Advents- und Weihnachtszeit». Ähnlich lautet es bei den Kinderbüchern, die im Blaukreuz-Verlag erschienen sind, wie zum Beispiel bei «Die beiden Hirten». Diese weisen darauf hin, dass sie Geschichten enthielten für Kinder und Erwachsene von verschiedenen Schweizer Schriftstellern. Die Erzählungen reichen dabei vom biblischen Geschehen bis in die heutige Zeit und wollen das weihnachtliche Licht weitertragen.

Im Weiteren findet man auf Rückseiten Hinweise, dass Dichter für Weihnachten schreiben, «in denen sie ihrer Freude, Hoffnung und Erwartung Ausdruck verliehen haben» oder Autoren, «die alle auf ihre Weise versuchen, das Ereignis der Heiligen Nacht einzufangen.» In den Legenden von Selma Lagerlöf «verbirgt sich der Traum von einer Welt, in der ein friedvolles Weihnachtsfest gefeiert wird.» Auf einem anderen Buch steht, dass Weihnachten eine Zeit der Stille, der Musse ist – wie geschaffen zum Lesen.

Ähnlich heisst es bei «Adventsmümpfeli» (in Züritüütsch) von Kamil Krejci, der mit seinen Schauspielerkollegen den «Adliswiler Weihnachtskalender» ins Leben rief: Es Buech wo sött erfreue und au besinnlich schtimme. Uf jede Fall aber zum d’Ziit im Advent z’verchürze mit eme Gschichtli, eme Mümpfeli, für jede Tag.

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In den Geschichten von Regine Schindler, erschienen im Buch «König Herodes und die Nachigall» geht es um Variationen, ohne aber die Evangelisten zu vermischen. Matthäus stellt die Sterndeuter in den Mittelpunkt, bei Lukas sind es die Hirten, die die Botschaft als Erste erfahren.

Deutlicher wird Ulrich Knellwolf, pensionierter reformierter Pfarrer aus Zollikon, bei seinem Nachwort im Buch «Der liebe Gott geht auf Reisen». Er schreibt, dass es sein Beruf mit sich bringt, pro Weihnachtszeit zwei oder drei Geschichten zum Vorlesen zu benötigen. Die Suche danach ist aber mühsam, darum beschloss er, selber zu schreiben. Er findet auch, dass die Bibel Varianten der ersten Weihnachtsgeschichten nach den Evangelien will, denn auf jede Geschichte folgt eine weitere Geschichte als Antwort und dies führt in die Tiefe.

Ähnlich argumentiert Lukas Spinner, der bis zu seiner Pensionierung Pfarrer in Meilen war. Manche Sätze in der biblischen Weihnachtsgeschichte stehen sperrig im Text, die er weiter entwickelt. Seine Geschichten im Buch «Nicht alle Engel können singen» eignen sich zum Vorlesen, aber auch zum stillen Lesen in einem Moment der Musse in geschäftiger Zeit.

Elisabeth Lüthi schreibt in ihrem Vorwort zu «Es Liecht ir Fyschteri», dass ihr Buch Advents- und Weihnachtsgeschichten für das ganze Jahr enthält. Wiehnachtsgschichte sys, will i jeder Gschicht Advänt, oder Wiehnachte vorchunt. […] Aber sy mir de dür ds Jahr öppe nid o empfänglech […] für paar tröschtlechi Wort.

Passend dazu plädiert Regine Hildebrandt als Herausgeberin des Buches «Geschichten vom anderen Weihnachten» von einer Abkehr von Weihnachten als Konsum und Glitzerding hin zu einer Zeit des Bastelns, Backens und Musizierens, die auf die Bescherung hinführt. Schliesslich endet sie mit der Bitte, dem einen oder anderen Impuls Raum über Weihnachten hinaus zu geben. Die Botschaft ist für 365 Tage im Jahr tauglich.